Sonntagsbrief zum 1. Sonntag der Fastenzeit, 6. März 2022

4. März 2022 von Georg Mollberg

Der Versuchung widersagen

 

Jesus aber kehrte voller heiliger Geistkraft vom Jordan zurück und wurde vom Geist in der Wildnis herumgetrieben. Während 40 Tagen wurde er vom Teufel schwer geprüft. In jenen Tagen aß er nichts, und als diese Tage vorbei waren, hatte er großen Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm:

 

„Bist du ein Sohn Gottes, so sage zu diesem Stein, dass er Brot werden soll!“ Jesus aber antwortete ihm: „Es steht in der Schrift geschrieben: Die Menschen werden nicht vom Brot allein leben.“

 

Und er führte ihn hinauf und zeigte ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augenblick. Und der Teufel sprach zu ihm: „Dir will ich alle Macht und all ihren Ruhm geben, denn mir gehören sie und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir verbeugst, soll alles dir gehören.“ Jesus aber antwortete ihm: „Es steht geschrieben: Du sollst DIE LEBENDIGE, deinen Gott, anbeten und allein ihr dienen.“

 

Darauf führte der Teufel ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu ihm: „Bist du ein Gottessohn, so stürze dich hinab! Denn es steht geschrieben: Deinetwegen wird er seine Engel senden, dich zu behüten, und sie werden dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stoße.“ Jesus aber antwortete: „Es heißt: Du sollst DIE LEBENDIGE, deinen Gott, nicht herausfordern.“ Und als der Teufel die Prüfung ganz vollendet hatte, blieb er von ihm fern bis zur gelegenen Zeit.

 

 

 

Lk 4, 1-13Bibel in gerechter Sprache

 

Der Versuchung widersagen

 

 

Wie junge Menschen heute, so suchte auch Jesus nach Wegen für eine bessere Zukunft. Was würde mir Freude machen? Welche Anlagen habe ich? Wie könnte eine gesicherte Zukunft in dem armen Nazareth gelingen? Die Wüste mit ihrer Stille schien ihm der richtige Ort zu sein, um passende Antworten zu finden. Gut möglich, dass dem jungen Mann sekündlich ein besseres Leben aus der Armut der Schreinerwerkstatt heraus in eine offene Zukunft mit sicherem Einkommen durch den Kopf geschossen war. Zum Greifen nahe, zumindest im Kopf, die Annehmlichkeiten dieser Welt! 

 

Und schon meldet sich der selbsternannte Weltenherrscher: Als Gottes Sohn müsstest du doch aus diesen Steinen Brot machen können? Könnte ich? Doch Jesus wurde schnell klar, diese Versuchung widersprach allem, was seine frommen Eltern ihm vorgelebt hatten. Es vibrierte in ihm! Gottes Vorgabe war doch ganz anders: IHN lieben, den Nächsten und sich selbst! Jesus setzt die Tora gegen die Versuchung: Nicht nur vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, dass aus dem Munde Gottes kommt! Und dieses Wort brauchen wir lebensnotwendig. Das Kind braucht die vertraute Stimme der Mutter, der Schüler die seiner Lehrer, Liebende brauchen sie und Eheleute, Freunde und Freundinnen, Vorgesetze in Politik und Kirche auch. Wir alle sehnen uns nach dem guten Wort, aus dem wir heraushören, hier mag mich jemand. hier bin ich sicher. Durch SEIN Wort sind wir Menschen. 

 

Ob das nächste Angebot zieht? Jetzt verspricht der Teufel dem ausgezehrten Handwerkersohn alle Reiche dieser Erde mit samt deren ganzer Herrlichkeit. Einzige Bedingung: Er als Gottes Sohn müsse sich vor ihm niederwerfen und ihn anbeten. Jesus weicht zurück und kontert mit der Schrift: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.

 

Reich zu sein und viel besitzen, als einziges Lebensziel zu sehen, passt nicht zu der Liebesbotschaft, die den Nächsten, den Armen, den Kranken und Hilfsbedürftigen sieht. Das Bild des Reichen und Mächtigen hat sich uns in den vergangenen Tagen eingeprägt: Zwei Menschen sitzen an den Kopfenden eines Tisches. Auf der einen Seite der mächtige Reiche, der Aggressor, Putin. Ihm gegenüber in zehn Metern Entfernung der Bittsteller: der Alleinherrscher möge doch von seinen Kriegsplänen absehen. 

 

Macht, Geld, Luxus und Konsumismus verbannen aus vielen Hirnen, denen es gut geht, die Wirklichkeit, in der die Mehrheit der Weltbevölkerung leben muss. Der Konsumismus hat auch uns fest im Griff. Was geben wir nicht alles vor, darauf nicht verzichten zu können! Die Folge dieses ungebremsten Verbrauchs von immer mehr Ressourcen führt über kurz oder lang zum Zusammenbruch der von Gott geschenkten Natur. Den irdischen Verlockungen zu widerstehen und den Raubbau an unseren Lebensgrundlagen zu minimieren, wird unsere Sendung sein müssen, um als Jesu Jünger*innen seiner Botschaft immer wahrhaftiger nachzukommen. 

 

Jetzt greift der Widersacher selbst zur Tora und legt in einem dritten Versuch Jesu auf dessen Gottessohnschaft fest. Ohne Sorge könne er sich von der Zinne des Tempels stürzen, denn die Engel seines Vaters würden ihn doch auf Händen tragen, nicht mal ein Fuß werde an einen Stein stoßen. „Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht auf die Probe stellen!“, ist die unmissverständliche Ansage an den Satan.

 

Lukas schreibt: Da der Teufel nicht zum Ziel gekommen sei, habe er für eine Weile von ihm abgelassen. Will heißen, der Satan gibt nicht auf, das Böse ist unter uns. „Widersteht ihm fest im Glauben“, beten wir in der Komplet.

 

Für Jesus stand nun fest, welchen Weg er einschlagen würde. Er spürte und wusste, dass Gott bei ihm ist, ihn liebt und ihn sendet: „Ich möchte, dass du mit meinem Mund sprichst, mit meinen Augen siehst, mit meinen Ohren hörst und mit meinen Händen berührst. Alles was mein ist, ist dein. Vertrau mir nur, ich möchte dein Gott sein!“ (Henri J.M. Nouwen, Die innere Stimme der Liebe, S. 118 ff) 

 

Gottes Zusage an jedes seiner Geschöpfe: „Ich liebe dich und bin bei dir“, bildete für Jesus nach seiner 40-tägigen Wüstenerfahrung den Grundstein seiner beginnenden Friedensmission, insbesondere den Armen, Kranken, Traurigen und Verlassenen beizustehen. Macht und Reichtum waren nicht seine Sache. Seine Mission konnte nur lauten, die Menschen zu lieben, wie Gott liebte, sie mit des Schöpfers liebenden Augen anzuschauen, ihnen zuzuhören und sie heilend zu berühren. Dafür zu leben, dass Gottes Plan der Nächstenliebe sich in die Herzen der Menschen einnisten möge, darin sah der junge Mann aus Nazareth nun seinen Missionsauftrag. Jesu Credo bleibt ewig: Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!

 

Georg Mollberg

 

 

"Gespräche am Jakobsbrunnen" online

 

8. März 2022 mit Magdalena-Klara Pittracher, verantwortlich für die „Weltsynode“ in der Diözese Innsbruck

22. März 2022 mit Prof. Dr. Wolfgang Beck, Pastoraltheologe

29. März 2022 mit Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin Oberzell

 

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Die nächsten Termine jeweils Dienstag 19 Uhr 15. März 2022, 12. April 2022

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