Sonntagsbrief zu Pfingsten, 5. Juni 2022

4. Juni 2022 von Johannes Brinkmann

Zusammenrücken

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: „Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien,  von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“ Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: „Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.“

Apg 2, 1-13 Einheitsübersetzung

 

Zusammenrücken

Da ist ein bestimmter Tag gekommen, der Tag des Pfingstfestes. Alle waren an einem bestimmten Ort versammelt, aber nicht um Pläne zu schmieden sondern weil sie gelähmt waren und ratlos, gelähmt von der Angst. Doch in die gelähmten Glieder strömt plötzlich ein ungeahnter Schwung. Eine tolle Geschichte, eine Geschichte gegen die Angst!So eine Geschichte würde ich auch gerne heute erzählen, eine Geschichte, die im Heute zündet! Auch heute ist der Tag des Pfingstfestes gekommen.

 

Was hat es mit diesem Fest auf sich?

Das Wort Pfingsten hat sich wohl aus „der fünfzigste“ entwickelt, auf griechisch „pentekoste“, der fünfzigste Tag nach Pascha bzw. Ostern. Überall her strömten Menschen in die Stadt Jerusalem, der Stadt mit dem Wort Schalom* im Namen. Es war ein Erntedankfest, denn nach dem Pessach begann die Weizenernte.

 

Wie wunderbar ist doch der Weizen: kleine Körner, die einfach ausgestreut werden und zu wachsen beginnen. Aus einem Korn, das stirbt, werden viele und Viele kann es ernähren! Wenige können Viele ernähren und satt machen! Das hat die großen Zivilisationen der Geschichte erst möglich gemacht: Energie wurde freigesetzt, die sonst an die Nahrung gebunden war. Menschen konnten ihre Talente ausbilden, weil der Kampf ums Überleben und die tägliche Suche nach Nahrung nicht mehr an erster Stelle stand. Handwerker, Gelehrte und auch Künstler konnten sich entfalten. Menschen konnten plötzlich ihren Träumen nachgehen, zu einem Reichtum für Viele werden und damit den Reichtum aller befördern.

 

Weizen musste auch nicht sofort oder schnell verzehrt werden, denn man konnte ihn lagern! Mit vollen Lagern ließ sich entspannt leben! – Spätestens jetzt denken wir wohl alle an Putin, der volle Lager besetzt hält und die Welt damit in Angst und Schrecken versetzt. Uns wird plötzlich klar, wie wichtig Weizen ist und wie wenig selbstverständlich! Die neue Ernte steht schon bevor, doch die Lager sind nicht geleert. Das so wichtige Lebens-mittel ist zum Todes-mittel geworden, zur Waffe, die Angst und Schrecken verbreitet. Der Hunger erhebt sich! Besonders die ärmsten Länder trifft es wieder am Härtesten. „Gebt Ihr ihnen zu essen!“

 

Wir dürfen nicht in Egoismen verhaftet bleiben und in Nationalismen sondern müssen füreinander sorgen! Uns so dem Bösen entgegenstellen, uns gemeinsam widersetzen. Und uns zugleich daran erinnern, wie zerbrechlich alles ist und verwundbar. Wir müssen zusammenrücken! Wir müssen! Wir haben keine Wahl! Bürgerkriege drohen und Verrohung, Verlust von Kultur, von Zivilisation, von Menschlichkeit!

 

Wenn es heute eine Gabe gibt, eine Lebensgabe, die den Bund mit GOTT erneuert, eine Gabe, die Totes lebendig machen, die getrenntes verbinden, Erstarrtes erwärmen kann, gefährliche Glut kühlen und Müdes erfrischen kann, dann liegt sie wohl in dieser Erkenntnis im Angesicht der sich aufbäumenden Not! Wir müssen zusammenrücken, denn wir sitzen alle im selben zerbrechlich kleinen Boot! Ein anderes Brausen von Himmel her als dieses, kann ich heute nicht verkünden! Es ist kein lautes Getöse, das alle aufschreckt. Es ist ein leises, es erinnert nur! Es ist Pfingsten!

 

Johannes Brinkmann / Essen

*Das Wort Schalom sagt mehr als unser deutsches Wort Frieden. Mit Frieden ist nur die Abwesenheit von Krieg gemeint. Schalom aber steht nicht nur für Frieden und körperliche Unversehrtheit, sondern in einem größeren Begriffsrahmen auch für Heil, Freiheit von jeglichem Unglück und Widrigkeiten, Gesundheit, Sicherheit, (innere) Ruhe und Wohlstand. — Das alles ist mit Schalom gemeint. Schalom will uns alle miteinander in seinem inneren Frieden verbinden! Mein Gruß Heute ist deshalb

„Schalom sei mit Euch allen!“



 

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