Sonntagsbrief zu Fronleichnam, 116. Juni 2022

15. Juni 2022 von Brigitte Karpstein

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Viele Menschen entschlossen sich und folgten ihm nach. Er nahm sie auf und redete mit ihnen über das Gottesreich und heilte diejenigen, die Heilung brauchten. Als der Tag zu Ende ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: „Lass die Vielen ziehen, damit sie gehen können und in den Dörfern und Feldern rasten und etwas zu essen finden, denn hier sind wir an einem unwirtlichen Ort.“ Er sprach zu ihnen: „Gebt ihr ihnen doch zu essen!“ Sie erwiderten: „Wir besitzen nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, oder sollen wir etwa für das ganze Volk Essbares kaufen gehen!“ Es waren ungefähr 5 000 Leute. Da sagte er zu seinen Schülern und Schülerinnen: „Lasst sie in Gruppen von etwa 50 lagern.“ Sie taten so und ließen alle lagern. Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte in den Himmel und segnete sie, brach sie und gab sie seinen Schülerinnen und Schülern, damit diese sie an die Menge verteilten. Und sie aßen, und alle wurden satt. Was an Brocken übrig war, wurde für sie aufgehoben: zwölf Körbe.

 

Lk 9, 11-17 Bibel in gerechter Sprache

 

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„An Wunder glaube ich nicht, und wie soll das überhaupt gehen mit der Brotvermehrung?“ - so pflegen einige meiner Schüler*innen beim Thema „Wunder“ zu sagen. 

 

Die Flutkatastrophe bei uns an der Ahr jährt sich am 14. Juli zum ersten Mal. Unsägliches Leid ist über die Menschen hereingebrochen; viele standen fassungslos vor dem Nichts, die Not war unbeschreiblich groß. Spenden wurden erbeten. - „Gebt Ihr ihnen zu essen!“ Schon am selben Tag kamen Menschen von überall her mit Eimern, Schaufeln, Geräten, brachten Kleider, Haushaltsgeräte, Möbel, Spielsachen, Firmen gaben Rabatt, und die Schüler des betroffenen Gymnasiums gingen umher mit Kaffee und belegten Brötchen, andere verteilten warmes Essen. Nach einigen Tagen waren, weil so viel an Hilfsgütern gebracht wurde, unsere Zelte zu klein, und sogar aus Süddeutschland kam ein Trupp, der uns ein großes Zelt aufstellte. In vielen Gemeinden in ganz Deutschland wurde Geld auf unterschiedliche Weise gesammelt. Es war überwältigend. Als am 24. Februar der Krieg in der Ukraine ausbrach, war noch genug da, um dann dort zu helfen.

All diese Erfahrungen machen zu dürfen, war für viele in der Tat wunder-voll, und mein Glauben an den „Gott mit uns“, der da ist, wo am nötigsten, hat sich bestätigt.

Mit meinen Schüler*innen führte ich immer das folgende Experiment durch: Wir setzten uns um einen großen Tisch und jede und jeder sollte alles Essbare aus dem Rucksack darauf legen: „Ooh! Da kommt aber viel zusammen!“, stellten sie erstaunt fest. Wir frühstückten miteinander, und auch die, die nichts dabei hatten, wurden satt, und es blieb noch übrig. 
Ja, so „gehen“ Wunder bei und durch Jesus, und das ist auch heute noch so: Jesus fordert auf zu ver - teilen. Es wird befolgt. Das motiviert die, die noch etwas mithaben, ebenfalls zu teilen, und so werden alle satt, und es bleibt noch übrig für später. Das passiert natürlich auch in nicht religiös gebundenen Gemeinschaften. Jesus kennt sich generell aus mit dem, zu was wir Menschen in der Lage sind und er löst dies aus und unterstützt uns dabei. So kann sich nach diesem einfachen Rezept auch anderes Gutes wunder-bar vermehren lassen. Wenn es alle nur wollten und auch so verfahren würden, dürfte es doch keinen Hunger, keine Not mehr in der Welt geben?! Lassen wir uns von Jesus auffordern, und fangen wir im Kleinen an, und wer die Möglichkeit dazu hat, auch im Großen und lassen wir uns in Erstaunen versetzen.

Brigitte Karpstein

 

 Wir sind Kirche Online-Andacht interaktiv

Nächste Termine  jeweils Dienstag 19 Uhr 



statt 5. Juli 2022 verlegt auf 12. Juli 2022

 

Die Wir sind Kirche-Online-Andachten entstanden, um auch in Corona-Zeiten im Gebet und Gespräch miteinander verbunden zu bleiben. Sie stehen in der Tradition der verschiedenen gottesdienstlichen Feiern bei den Bundesversammlungen, Begegnungstagen und PilgerRadTouren. Auch über die strengen pandemiebedingten Einschränkungen hinaus bieten wir die Online-Andachten mit Austausch zum Bibeltext und gemeinsamer Fürbitte weiterhin an. 

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