Sonntagsbrief zum Christkönigsfest, 21. November 2021

20. November 2021 von Cristy Orzechowski

Christkönig — die Krone verrutscht…

Verrutschte Krone © Cristy Orzechowski

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem heutigen Sonntagsbrief endet der Versand der Sonntagsbriefe für das Jahr 2021. Am 28. November, dem 1. Adventsonntag, beginnt der Wir sind Kirche Adventskalender. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf den Psalmtexten der Adventszeit, in Beziehung gesetzt zu Ereignissen oder Texten der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit. - Wenn Sie den Adventskalender nicht erhalten wollen, dann können Sie bei Erhalt der ersten Sendung sich selbstverständlich abmelden.

mit herzlichen Grüßen zum Ende des Kirchenjahres

Sigrid Grabmeier 

 

 

Heute werden uns drei Texte zur Reflexion angeboten: Johannes 18, 33-37 Evgl; 7. Kapitel Daniel u. Offbg. 1, 5-8  

Nicht alle Texte zitiere ich komplett, doch benutze ich sie in meinem Kommentar.

 

Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?

Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.Aber mein Königtum ist nicht von hier..

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? 

Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Joh. 18,33-37 Einheitsübersetzung 

 

Daniel berichtet seine Vision von  vier Tieren, die er im Traum aus dem Meer aussteigend gesehen hat. In meinem Kommentar erwähne ich einige davon…

      Beschreibung des vierten Tieres: --

10    Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. 

Tausendmal Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht nahm Platz, und es wurden Bücher aufgeschlagen.

13    Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen:

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. 

Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.

14    Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. 

Daniel 7/, 2a 13b bis 14 Einheitsübersetzung

 

6   Er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit:-Amen

 Offb. 1,5-8 Einheitsübersetzung

 

Christkönig — die Krone verrutscht…

Grundsätzliches zum Christkönigsfest:

CHRIST-KÖNIG, da sträuben sich mir zunächst die Nackenhaare und Seelen-Antennen…

Doch ist dieser König nur mit den eigenen Worten Jesu sag-und denkbar: 

„MEIN REICH IST NICHT VON DIESER WELT…; nicht mit dieser Art des Machtvollzugs vergleichbar! –Vielmehr bin ich königlich in dem Sinne, dass ich erhaben bin über den Gerechtigkeits-Verstoß u. Lügenvorrat des weltlichen Königtums. Nur in diesen anderen  Kategorien also ist Christkönig zu denken.

 

Er repräsentiert sein Königtum, indem er in die Welten der Lüge, des Zusehens, des Rand-Daseins, der Verwahrlosung und Hauslosigkeit, des Missbrauchs jeder Art - begleitend eintaucht. Dieser „andere König“ macht sich präsent: Wie der „andere Advent“, um uns ermahnend und ermutigend zuzurufen: „Mit solchem eher Un-königlichen Gehabe haben mein Königtum und die Nachfolge meines königlichen Daseins nichts zu tun. Vielmehr gehe ich auf dem Weg voraus, der aus der Löwengrube all dieser Missstände und menschlicher Bedrohungs-Zuständen, herausführt….“

 

Mir ist so, als hörte ich Jesus weitersagen:  „Das Erste was dabei notwendend ist, will ich tun, die Flügel der Macht und des Überfliegers ausreißen; vom Boden emporheben und wie ein Mensch auf zwei Füße stellen, und jedem Menschlichen Wesen auch ein menschliches Herz verleihen, sozusagen wiedergeben…wiederbeleben.

In den vorherigen Löwengruben-Beschreibungen werden verschiedene falsche, sich groß machende Könige beschrieben: – die z.B. zur Gerichtsverhandlungen BÜCHER AUFSCHLAGEN,welche den Menschen erdrücken… umgarnen… würgen… fesseln…

 

Unsere Gesellschaft, unsere Kirche, haben weltirdisches Königtum bestens entwickelt: Wir beugen davor die Knie.Was soll ich da aufzählen? Es wäre Geschwätz vom ewigen Gestern, sozusagen unserem Schmerzgedächtnis aus der Begegnung mit dem Allmachts-Getue entsprungen. Vor uns liegt der Aufruf zum Tun:

Um den Christkönig, mittels unserer Nachfolge wahrhaft loben zu können, zu besingen, zu ehren, ist angesagt: 

„HÖRNER-ABSTOßEN“…

Im Danieltext werden zehn an der Zahl genannt. Auf wie viele kommen wir persönlich? Auf wie viele unsere Kirchliche Institution? Gehören vielleicht gar die >Mitren< zu Hörnern?? Auch geht es darum, uns unserer, als königliche Insignien getragenen Machtzähne zu entledigen, auszubeißen. 

 

Trotz meiner obigen Aussage, spricht es aus meinem Innern zu mir: „Da hilft kein `Mit-dem—Finger-auf-andere-zeigen". Erst bin jeweils ich dran!“ — Bin ich bereit, auf das aufgewühlte Meer, der in mir lebendigen Vision, seit Taufe und Berufungsweg, neuerdings und innovativ zu reagieren? Sitze ich schon fest auf dem königlichen Hochsitz meines  Rentner-Daseins oder biologischen Alters? „Tagwerk getan“, tönt es da zufrieden:  die Hörner wachsen nach…  die falschen Zähne fallen aus…!

 Verrutschte Krone © Cristy OrzechowskiVielmehr ist die Daniel-Vision 7,13 mein innigster Wunsch: „Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.“ 

Da will ich mich tatsächlich anschließen, mitgehen! Mein, dem Älter-Werden geschuldet, abnehmendes Lebenslicht erhellend in meine jetzige Wegstrecke einfügen; –in Hoffnung weitergehen, mich selbst als Königin sehen; ja sogar als „PRIESTERIN“ (Offbg. 1,6 *), die ich war und bin in den Höhen des Altiplanos-/Peru…, wo nicht die Bücher aufgeschlagen werden, sondern, wie unser dortige Bischof Jesús Calderon zu sagen pflegte: „Im Hochland der Anden ist das Kanonische Recht aufgehoben, aufgrund  der 4000m Höhe u. der daraus resultierenden Nähe zur Gottheit.. “  

"CHRISTUS hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm seien die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen" 

In diesen Schwung kann ich meinen Lebensdank einbeten…

 

Und dann noch…

Es wäre fahrlässig an dem neugeborenen König vorbeizusehen, dem In-Windel-Gewickelten-König (Biblische Blasphemie???) Dieser König, tut schon seinen ersten Schrei:

-in Kälte

-Ungeborgenheit

-Hunger-Fremde. 

-Baldiger Flucht-Bedrohung. 

Der Neugeborene KÖNIG hebt die gewohnten Kategorien auf: von den Herrschern da Oben…und den Beherrschten da Unten.-(Im Weltgeschehen so üblich!…) Da fallen einem(r) Jeden(er) von uns genügend Analogien ein, aus dem täglichen Weltgeschehen und naher Alltags-Umwelt.

 

Dieser König, vor Pilatus stehend, ist aufzurufen. Es ist der, der sich in unseren Qualen; mitten unter uns erdet, — der sich mit Mutter Erde (=Pacha Mama) verbindet, der sich im Schmerz einer jeden Ackerfurche windet. Er ist der präsente König der Ernte, die er mit uns, wenn auch gebückt, im Schweiße unseres Angesichtes, Jubelnd mit uns einholt. Auch der Dornengekrönte König aus der Passionist nicht der Prototyp von König!

 

Die mit Tränen säen, werden in Freude ernten. In jeder Ernte, materieller oder spiritueller Art, zeigt Christus sich als König über unseren Schmerz; als Priester u. Priesterin der Wandlung.

Auch dies ist Erfahrung meines Lebens…

Der Schmerz ist es…, der die Liebe—Freude befreit…

 

© Texte u. Fotos:  Cristy Orzechowski

 

 

 

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