Sonntagsbrief 2. Sonntag nach Weihnachten, 3. Januar 2021

2. Januar 2021 von Sigrid Grabmeier

Nicht erkannt, nicht aufgenommen

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

Am Anfang war die Weisheit
und die Weisheit war bei Gott
und die Weisheit war wie Gott.
Diese war am Anfang bei Gott.
Alles ist durch sie entstanden
und ohne sie ist nichts entstanden.
Was in ihr entstanden ist, 4war Leben,
und das Leben war das Licht für die Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis,
aber die Finsternis hat es nicht aufgenommen.
 
Die Weisheit war das wahre Licht,
das allen Menschen leuchtet, die in die Welt kommen.
Sie war in der Welt,
und die Welt ist durch sie entstanden,
aber die Welt hat sie nicht erkannt.
In das ihr Eigene kam sie,
aber die Ihrigen haben sie nicht aufgenommen.
Allen denen aber, die sie angenommen haben,
denen gab sie Vollmacht, Kinder Gottes zu werden.
Das sind die, die an Gottes Namen glauben,
die nicht aus Blut und nicht aus irdischem Bestreben
und nicht aus dem Willen eines Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und die Weisheit wurde Materie
und wohnte unter uns,
und wir sahen ihren Glanz,
einen Glanz wie den eines einziggeborenen Kindes von Mutter und Vater
voller Gnade und Wahrheit.

Joh 1, 1-5; 9-14 Bibel in gerechter Sprache

 

Nicht erkannt, nicht aufgenommen

Immer wieder erscheint mir dieses kühne Stück Literatur über das Wirken göttlicher Weisheit wie ein Flügelaufschwung eines Adlers, der sich über alles kleinliche und menschlich Gebundene erhebt. - Um gerade jetzt an einer Stelle wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück geholt zu werden:

 

Sie war in der Welt, und die Welt ist durch sie entstanden, aber die Welt hat sie nicht erkannt. 

In das ihr Eigene kam sie, aber die Ihrigen haben sie nicht aufgenommen.

 

Mir kommt da in den Sinn

 

Ich war hungrig, ihr gabt mir zu essen; ich war durstig, ihr gabt mir Wasser; ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, ihr habt mich gekleidet; ich war krank, ihr habt mich gepflegt; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Mt 25, 35-36.

 

Und hungrige, durstige, fremde, nackte und gefangene Menschen, denen geholfen werden muss, gibt es derzeit viele, viel zu viele. Nach Angaben der UNO sind weltweit zur Zeit 80 Millionen Menschen auf der Flucht.  Nur ein kleinerer Teil davon kommt nach Europa und der wird an den Grenzen aufgehalten. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung spricht von einem Lockdown der Menschlichkeit in Europa und beurteilt diese Handeln als Entschlossenheit, nichts Gutes zu tun”. “Es soll tunlichst nichts passieren, um die grauenvollen Zustände in Flüchtlingslagern in der Ägäis nachhaltig zu verbessern. Die Zustände dort sollen abschreckend und hoffnungslos bleiben.” In Bosnien sind im Elendslager Lipa Hunderte Flüchtlinge schutzlos der Kälte ausgesetzt, in anderen Regionen Bosniens will man sie nicht.

 

Aus griechischen Lagern erreichen uns Nachrichten, dass Kinder nicht mehr leben wollen, die Selbtmordraten steigen und Säuglinge von Ratten gebissen werden. 

 

WARUM? Diese Nachrichten machen mich zugleich wütend und zutiefst traurig. 

 

Hoffnungszeichen sind Menschen wie Mutter Mechthild, Äbtissin der Abtei Maria Frieden, Kirchschletten, in der in den vergangenen Jahren mehrere Personen im Kirchenasyl lebten. Sie wurde von der Staatsanwaltschaft Bamberg wegen „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“ angeklagt, ein Gerichtstermin ist zur Zeit nicht absehbar. Für ihr Engagement wurde sie für den Göttinger Friedenspreis 2021 nominiert. Hier im Video von orden.de können Sie Mutter Mechthild kennenlernen.

Allen denen aber, die sie angenommen haben,
denen gab sie Vollmacht, Kinder Gottes zu werden.
Das sind die, die an Gottes Namen glauben,
die nicht aus Blut und nicht aus irdischem Bestreben
und nicht aus dem Willen eines Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
 
 
 
Wollen wir Gottes Weisheit immer wieder annehmen.
 
 
Sigrid Grabmeier
 

 Bild:

Mstyslav Chernov Flüchtlinge auf dem Mittelmeer 2016

 

 

 

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