Montag der vierten Adventwoche, 22. Dezember 2025

 

Großes hat die göttliche Macht an mir getan,
und heilig ist ihr Name.
Ihr Erbarmen schenkt sie von Generation zu Generation
denen, die Ehrfurcht vor ihr haben.
Sie hat Gewaltiges bewirkt.
Mit ihrem Arm hat sie die auseinander getrieben,
die ihr Herz darauf gerichtet haben,
sich über andere zu erheben.
Sie hat Mächtige von den Thronen gestürzt und
Erniedrigte erhöht,
Hungernde hat sie mit Gutem gefüllt
und Reiche leer weggeschickt.

Lk 1, 49-53 Bibel in gerechter Sprache

Ein altes Lied

Der Evangelist lässt Maria singen. Sie singt ein altes Lied, wie es schon Prophetinnen und Psalmisten vor ihr gesungen haben. Sie singt von der Hoffnung auf Gott, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit. Sie singt ein altes Lied ganz neu, als junge Frau in Erwartung ihres ersten Kindes, von dem sie weiß, dass es groß sein wird und „Sohn des Höchsten“ genannt werden wird. Lukas lässt Maria singen, gleichsam als Vorwort für das Leben, Wirken und die Botschaft Jesu, sie wird selbst zur Prophetin. 

Erfüllt von überwältigender Freude singt sie dieses Lied als Lob, als Dank und auch als Protest gegen die bestehenden Verhältnisse. Sie singt von Gott, der sie erwählt hat, der nicht gemeinsame Sache mit den Mächtigen, mit den Ausbeutern und Reichen macht, der auf der Seite der Armen und Ausgegrenz-ten steht, der zu seinem Wort steht und treu ist. Sie singt von einer besseren Welt.

Sie kündigt in ihrem Lobpreis Gottes die Botschaft und das Handeln ihres Sohnes Jesus an, den sie bis zu seiner Ermordung durch die politischen und religiösen Machthaber am Kreuz begleiten wird. Er setzt in seinem Leben vor allem auf sein Handeln gegenüber Menschen am Rande der Gesellschaft und seine Botschaft von der Nächstenliebe als Weg zu einer besseren Welt. Damit provoziert er den Argwohn und den Hass der herrschenden Klasse, denn sie fürchten diese subversive Revolution mehr als jeden offenen Auf-Stand. Jesus lebt sein Leben und verkündet Gottes Zuwendung bis zur bitteren Konsequenz, den Tod am Kreuz. Doch sein Leben und seine Botschaft sind stärker als der Tod. 

Nichts hat dieses Lied an Aktualität verloren, immer und immer wiederholen sich Machtkämpfe, Ungerechtigkeit, Habgier, Ausbeutung, Zerstörung und Kriege. Immer und immer wieder erklingt dieses Lied der jungen Frau Maria aus Nazareth. Immer und immer wieder macht dieses Lied Mut, gegen das Unrecht aufzustehen, damit eine bessere Welt möglich wird.

Sigrid Grabmeier

 

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